Andrea Lorenzo Scartazzini
Mit Christian Martin Fuchs als Autor des Librettos hat sich für Scartazzini eine ideale Konstellation ergeben, denn Fuchs kennt das Metier des Theaters bestens, und er ist ein Autor literarischer Texte von Rang, der zudem eine bühnenwirksame Sprache zu schreiben versteht, die reich an Bildern ist, in der die Emotionen der Personen, denen sie in den Mund gelegt wird, ihre Erregungszustände bis zu den Extremen glaubhaft zur Geltung kommen. Und dabei erweist sich diese Sprache - ein wahrer Glücksfall für den Komponisten - als musikalisierbar, denn sie schließt Raum für Musik ein, ja, sie sieht ihn vor. Das geht sogar so weit, dass man sich selbst beim Lesen des Textbuches beim Imaginieren von Musik entdeckt. Die Form des Werkes - sieben kürzere Bilder und ein Epilog - unterstützt den vorwärts gerichteten dramatischen Charakter von WUT.

"Mit Musik kann man an einem Text schaben, bis er rau und brüchig wird, man kann ihn zum Glänzen bringen, kann Verse musikalisch dehnen oder stutzen, kann sie flüsternd verbergen oder in den Raum schreien lassen und so seine persönliche Lesart vermitteln."

In dieser Weise hat sich der Komponist einmal über das Vertonen von Texten geäußert. Wen wundert es, dass er diese ganze Vielfalt vokaler Möglichkeiten nutzt - vom Sprechen über das Belcanto bis zum gelegentlichen Schreien, bis zur brachialen Expression? Vereinfacht formuliert lässt sich konstatieren, dass Scartazzini in seiner Oper - wie auch in seinen Kammer- und Orchesterwerken - von bildhaften Vorstellungen ausgeht, hinzu kommen hier jedoch Spannungsverläufe, die der vertonte Text, wie er sich im Zuge des Komponierens ergeben hat, vorgibt. Auch dieser Destillationsprozess ist ein Teil des Komponierens, da nach dem präzisierenden Herauslösen aus einem zunächst wesentlich umfangreicheren Textbuch auch Nicht-Gesagtes mit eingeschlossen bleibt. <weiter zu Seite 4>