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Scartazzini ist eine Entdeckung für die Opernbühne. Er arbeitet mit aussergewöhnlichem klanglichen Erfindungsreichtum und grosser Raffinesse. Noch viel rarer ist jedoch sein Talent der musikalischen Personencharakterisierung. Seine Klänge umschliessen die Protagonisten wie eine zweite Haut. Alles in dieser über grosse Strecken elektrisierend zarten Musik ist im Dienste der Figurenpsychologie erfunden. Neben einem gewaltigen Instrumentarium ist es vor allem der Ausdrucksreichtum der Stimmen, der die Genauigkeit und Spezifität des jeweiligen Ausdrucks ausmacht. Besonders eindringlich die Musik des Geräderten. In ihrer gläsernen Helle lauscht sie jenseits jeder lebendigen Schmerzempfindung der Fragilität des Menschenkörpers nach: eine Counterstimme, gemischt mit kristallenen Orchestser- und Chorfarben. Laura Naumburg, Neues Deutschland 22.9.2006
Eine Szene gibt es an diesem Abend, die ist so bewegend, dass sie beinahe atemlos macht. Es ist eine Szene, in der die Musik ... dem Schweigen nahe ist, wo sie dem Bild die Macht überlässt, den Worten. Rechts, am Rand der Bühne, Judit, die Tochter des Mörders Goncalvez, im roten, gleichsam blutdurchtränkten Kleid; links, weit entfernt, der rasende Rächer, Pedro. Hinter ihnen die Fülle der Toten, Geknechteten, Geschändeten. „Kennst du die Liebe?“, fragt in diesem Augenblick der Stille Judit. Keine Antwort. Nur ein leises Flirren, Hauchen im Graben; Engelsgesang, womöglich. Und fast vermeint man, die Rettung sei nahe, die Rettung durch die Liebe. Jürgen Otten, Opernwelt Oktober 2006
Es gehört immer noch Mut dazu, ein zeitgenössisches Musiktheaterstück auf die Opernbühne zu bringen. In Erfurts Neuer Oper wurde dieser Mut am Wochenende reich belohnt und die Uraufführung der Oper „Wut“ von Andrea Lorenzo Scartazzini vom Publikum gefeiert. Der Schweizer Komponist erhielt dabei den stärksten Beifall. ... Scartazzinis sich an Gefühlszuständen orientierende, bestens proportionierte sowie mit filmischen Akzenten durchsetzte Partitur trug die Handlung. Effekte (verzerrtes Klavier, Schlagtechnik bei den Streichern, Klappengeräusche, auf Mundstücken blubbernde Hörner) behaupteten sich als musikalische Notwendigkeit. ... In Becken und Gongs erklingt der kalte Krieg und reisst in Bläsersätzen mit fratzenhaften Motiven alles zu Boden. Scartazzinis Musik beweist urinstinkthaftes Wesen, Philharmonisches Orchester und Publikum gleichsam einnehmend. ... Doch die nach grossen Intervallen rufende „Wut“ sieht sich immer wieder besänftigt. Und als sich Pedro und Judit im stummen Liebesduett gegenüberstehen, da umweht die Szene etwas aller Zeit Enthobenes. Man träumt sich einfach aus ihr hinaus. Ursula Mielke, Thüringer Allgemeine 10.9.2006
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