Andrea Lorenzo Scartazzini

Rezensionen WUT

Bilder von schlagender Kraft  ... kamen auf die Bühne. Ein Musiker muss nach ihnen gieren. Und Scartazzini schrieb denn auch eine Partitur, in der alle Drastik ausgereizt wird, die mit Windgeräuschen und Löwengebrüll, mit flirrenden Flageolettklängen, Falsettstimme, irrealen Fernchören oder erdigen Tieflagen eine mit erstaunlicher Phantasie erfundene, schrundige, ja irrsinnige Klanglandschaft zeichnet. Es war eine Fundgrube der Differenzierung für das motivierte philharmonische Orchester Erfurt unter Dorian Keilhack. Besonders hoch ist dem Komponisten anzurechnen, dass er dabei nichts überfrachtet, die Musik weiss um ihre Stellung im theatralen Umfeld, weiss, dass sie sich an gewissen Stellen zugunsten des Wortes oder der Szene zurückzunehmen hat. ... Die Apokalypse stand hautnah und mit der Dauer von 75 Minuten knapp geschnitten vor Augen. Reinhard Schulz, Süddeutsche Zeitung 15.9.2006

... die gross besetzte, aber nicht grossspurige Musik von Scartazzini klingt ernst, dem Wort verpflichtet, Grenzen des instrumentalen Klanges klug integrierend, doch nie verstörend abgehoben. Joachim Lange, Die Welt 27.9.2006

... (eine) Oper, in der die Wörter durch die Musik hindurch Empfindungen vermitteln. Wo neben solcher Inhaltlichkeit einmal andere Ebenen des Sprechens, aufgespaltene Wörter oder Vokalisen in Erscheinung treten, geschieht dies immer glasklarer dramatischer Absicht zuliebe, und in diesem Punkt schliesst sich der Kreis zwischen Idee, kompositorischer Realisierung und der Leistung der Aufführung vollkommen, denn die Textverständlichkeit ist ausserordentlich. Auch da, wo die Musik fast in minimalistische Aktionen zurücktritt, behält sie starke eigene Präsenz. ... Die Stärke des Werkes liegt ... in den musikalisch vermittelten einzelnen Situationen wie der erregenden und rhythmisch packenden Simultanszene zwischen Vater und Sohn am Beginn, der Prozession vor Inês’ Leichnam mit seltsam verfremdeten Perkussionsinstrumenten, einer Todeslandschaft mit verstreuten Einzelklängen des Klaviers und raschelndem Schlagwerk. Martin Wilkening, F.A.Z. 14.9.2006

Scartazzini ... hat ein reifes musikdramatisches Werk geschaffen, dem eine weitere Verbreitung zu wünschen ist.SDA, Basler Zeitung, 10.9.2006